Nachrichten zu Biodiversität und nachhaltigem Immobilienmarkt

IRICE veröffentlicht kurze Beiträge, um die Integration von Biodiversität in Immobilienprojekte zu unterstützen: Herausforderungen, Instrumente und konkrete Lösungsansätze. Evidenzbasierte Rückmeldungen aus der Praxis tragen dazu bei, Biodiversität zu einem Vorteil und nicht zu einer Einschränkung zu machen.
Können wir das NF Habitat HQE Biodiversitätsprofil und die Effinature-Zertifizierung vergleichen?

Können wir das NF Habitat HQE Biodiversitätsprofil und die Effinature-Zertifizierung vergleichen?

Montag, 3. November 2025

Seit der Revision 5.0 des NF Habitat HQE-Standards ist Biodiversität offiziell in den Geltungsbereich der ökologischen Gebäudequalität aufgenommen worden. Diese Entwicklung spiegelt einen grundlegenden Wandel wider: die Integration der Natur in die Architekturplanung und das Standortmanagement. Dennoch herrscht weiterhin Verwirrung. Manche verwechseln das HQE-Biodiversitätsprofil mit einer echten ökologischen Zertifizierung oder gar mit einem Äquivalent zu Effinature. Obwohl beide Ansätze eine gemeinsame Terminologie und ähnliche Indikatoren verwenden, haben sie nicht denselben Status, Geltungsbereich oder dieselbe Funktion innerhalb der ökologischen Wertschöpfungskette.

Eine interne Sensibilisierungskampagne angesichts unabhängiger ökologischer Zertifizierungen

Seit der Einführung des HQE-Biodiversitätsprofils in Version 5.0 des NF Habitat HQE-Standards stellt sich immer wieder die Frage: Integriert HQE die Biodiversität nun auf demselben Niveau wie Effinature? Die Antwort ist einfach: Nein, noch nicht. Zwar hat das HQE-Profil den Vorteil, lebende Organismen in die Gebäudeplanung einzubeziehen, doch bleibt es ein Instrument zur Sensibilisierung innerhalb des HQE-Systems. Effinature hingegen ist eine nach ISO/IEC 17065 akkreditierte Zertifizierung, die auf ökologischen Nachweisen, Messungen und unabhängigen Audits basiert.

1. Ein thematisches Profil, das in die NF HABITAT HQE-Zertifizierung integriert ist

Das HQE-Biodiversitätsprofil ist keine eigenständige Zertifizierung, sondern ein optionales Profil, das mit der NF-Habitat-HQE-Zertifizierung verknüpft ist. Es ist Teil der Säule „Umweltverantwortung“ und würdigt die Bemühungen von Projektträgern um die Berücksichtigung von Lebewesen. Die Bewertung basiert auf:

  • eine ökologische Dokumentationsbewertung des Standorts
  • ein Landschafts- und Ökosystemmanagementplan,
  • und vier Effinature-Indikatoren: der IVE (Ecological Value Index), der IVS (Site Enhancement Index), der CBS (Biotope Coefficient per Surface) und der ITCE (Ecological Coherence Indicator Index).

Diese Indikatoren, die auf der Effinature-Methode basieren, ermöglichen eine vereinfachte Bewertung des ökologischen Potenzials des Standorts. Sie werden selbstständig erhoben und in den HQE-Rahmen integriert, ohne dass ein spezifisches ökologisches Audit oder eine unabhängige Überprüfung erforderlich ist.

Das HQE-Biodiversitätsprofil kann somit vier Stufen erreichen, von „Gute Praktiken“ bis „Herausragende Leistungen“, je nachdem, wie stark Lebewesen in das Projekt integriert werden. Diese Bewertung ist jedoch indikativ und innerhalb des HQE-Rahmens angesiedelt: Sie führt nicht zu einem separaten Zertifikat oder einer behördlichen Anerkennung.

2. Effinature: Zertifizierung der tatsächlichen ökologischen Leistung

Effinature wurde 2009 ins Leben gerufen und ist eine unabhängige Zertifizierung durch Dritte, die von IRICE ausgestellt wird, einer nach ISO/IEC 17065 im Bereich Biodiversität und ökologische Leistungsfähigkeit akkreditierten Organisation. Effinature bewertet die tatsächliche Funktionsweise des lebenden Systems des Projekts anhand von 115 Kriterien, die in sechs grundlegende Themenbereiche unterteilt sind:

  • Erhaltung des lebendigen Bodens 
  • Entwicklung des Pflanzenerbes 
  • Unterstützung für die heimische Tierwelt 
  • Reduzierung der Auswirkungen des Projekts, 
  • Wohlbefinden der Nutzer,
  • Kompetenzentwicklung.

Jedes Projekt durchläuft drei Prüfungen – Planung, Umsetzung und Betrieb –, um wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit und langfristige ökologische Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Effinature bewertet nicht den guten Willen des Projektträgers, sondern die nachweisbare ökologische Leistung seines Betriebs.

3. Gemeinsame Indikatoren, aber sehr unterschiedliche Methoden

Zwischen CERQUAL und IRICE besteht eine technische Vereinbarung, die die Verwendung bestimmter Effinature-Indikatoren im Rahmen des HQE-Biodiversitätsprofils genehmigt. Diese Annäherung belegt das gemeinsame Engagement für die Harmonisierung von Verfahren und die Steigerung des ökologischen Reifegrades im Sektor.

Der Umfang ist jedoch nicht vergleichbar:

  • HQE verwendet 4 vereinfachte Indikatoren (IVE, ITCE, IVS und CBS).
  • Effinature verwendet 115 umfassende Indikatoren, die die funktionelle Biodiversität, lebende Böden, Wassermanagement, Vegetation, Lichtverschmutzung, lokale Fauna, ökologische Dynamik und Standortverwaltung abdecken.

Anders ausgedrückt: HQE schärft das Bewusstsein für Biodiversität, während Effinature diese misst, überprüft und zertifiziert. Die gemeinsamen Indikatoren verdeutlichen eine methodische Verbindung, jedoch keine Gleichwertigkeit im Umfang.

4. Sensibilisierung und Zertifizierung: zwei sich ergänzende Ansätze

Das HQE-Biodiversitätsprofil spielt eine entscheidende Rolle in der Aufklärung und als Impulsgeber. Es regt Planungsteams dazu an, die richtigen Fragen zu stellen: Vorbewertung, ökologische Korridore, Pflanzenauswahl, differenziertes Management. Es ist ein wertvoller Ausgangspunkt, der die Weiterentwicklung von Praktiken fördert.

Effinature ist die logische Fortsetzung dieses Ansatzes: Es bietet wissenschaftliche Bestätigung, methodische Konsistenz und institutionelle Anerkennung. Mit anderen Worten:

  • HQE ebnet den Weg für die Berücksichtigung von Lebewesen
  • Effinature bestätigt, dass diese Überlegung real, messbar und nachhaltig ist.

Die beiden Ansätze stehen daher nicht im Widerspruch zueinander: Sie bilden zwei Stufen der ökologischen Reife, von der deklarativen zur zertifizierten.

5. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass…

Nein, das HQE-Biodiversitätsprofil ist nicht mit der Effinature-Zertifizierung gleichzusetzen. Das eine beinhaltet die Sensibilisierung für das Thema, die in das HQE-Gebäudesystem integriert ist, das andere ist eine unabhängige und akkreditierte ökologische Zertifizierung. Zusammen bilden sie jedoch einen klaren Weg für die Branche:

  • HQE hilft dabei, besser zu designen
  • Effinature beweist, dass das Projekt tatsächlich Auswirkungen auf Lebewesen hat.

Es ist diese Komplementarität – zwischen der HQE-Baukultur und der ökologischen Wissenschaft von Effinature –, die die Nachhaltigkeit von morgen definiert: eine Nachhaltigkeit, die sowohl gebaut als auch gelebt wird.

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