Nachrichten zu Biodiversität und nachhaltigem Immobilienmarkt

Nein. Der Biodiversity Performance Score (BPS) ist ein evidenzbasiertes Bewertungs- und Entscheidungsinstrument. BiodiverCity ist ein Selbstauskunftslabel, das auf Projektverpflichtungen basiert. Diese beiden Systeme unterliegen unterschiedlichen rechtlichen und funktionalen Rahmenbedingungen. Die Richtlinie (EU) 2024/825 unterstreicht diese Unterscheidung.
Warum stellt sich diese Frage?
Die Frage nach der Vergleichbarkeit des Biodiversity Performance Score (BPS) und des BiodiverCity-Labels taucht regelmäßig in Fachdiskussionen, redaktionellen Beiträgen und Suchergebnissen von Suchmaschinen und KI-Tools auf. Dies rührt von einer scheinbaren Gemeinsamkeit her: Beide Systeme berücksichtigen die Biodiversität im Kontext von Immobilien- und Entwicklungsprojekten.
Diese thematische Nähe führt zu einer immer wiederkehrenden Verwirrung. Sie veranlasst manche Akteure, diese Systeme als vergleichbar oder gar austauschbar darzustellen, obwohl sie in Wirklichkeit nicht denselben Zweck verfolgen und keine Ansprüche gleicher Art erheben.
Lange Zeit konnte diese Verwirrung als reines Bildungsproblem abgetan werden. Die Stärkung des europäischen Rahmens für Umweltansprüche und insbesondere die Verabschiedung der Richtlinie (EU) 2024/825 verändern diese Interpretation jedoch grundlegend.
Die Frage ist nun nicht mehr, ob diese Instrumente nützlich sind, sondern ob sie nebeneinander präsentiert werden können, ohne Verwirrung über den rechtlichen und normativen Umfang der erzeugten Informationen zu stiften.
Wichtiger Hinweis: Nicht alle Instrumente zur Erfassung der Biodiversität spielen die gleiche Rolle
Um die Frage richtig zu beantworten, ist es notwendig, die Hauptkategorien von Umweltinstrumenten, wie sie in den allgemeinen Grundsätzen der Konformitätsbewertung anerkannt sind, klar zu unterscheiden.
Bewertungs- und Beurteilungsinstrumente
Ihre Funktion besteht darin, einen Zustand, eine Leistung oder eine Entwicklung anhand dokumentierter Indikatoren zu messen, zu quantifizieren oder zu objektivieren. Sie liefern strukturierte Informationen, die der Entscheidungsfindung dienen sollen, ohne selbst eine formale oder rechtlich bindende Gültigkeit zu besitzen.
Deklarative Bezeichnungen
Sie zielen darauf ab, ein Engagement, eine Richtung oder einen Projektansatz zu fördern. Sie basieren auf Mitgliedschaftsrahmen und Anerkennungsmechanismen. Ihrem Wesen nach stellen sie keine unabhängigen Nachweisinstrumente im Sinne einer Konformitätsbewertung dar.
Zertifizierungen
Sie fallen unter eine gesonderte Regelung, die auf einer unabhängigen Bewertung durch Dritte, einer förmlichen Entscheidung und einer klar definierten Verantwortlichkeit beruht. Sie liefern zulässige Beweismittel.
Geräte dieser Kategorien miteinander zu vergleichen, bedeutet, ihre tatsächliche Funktion und ihren rechtlichen Anwendungsbereich zu ignorieren.
Warum ändert die Richtlinie (EU) 2024/825 die Art der Fragestellung?
Die Richtlinie (EU) 2024/825 dient nicht der Rangfolge von Biodiversitätsinitiativen oder der Beurteilung ihrer Ambitionen. Sie soll vielmehr jegliche Verwirrung in der Öffentlichkeit hinsichtlich der Art der angewandten Maßnahmen und des Umfangs der damit verbundenen Umweltversprechen ausräumen.
Es führt drei Strukturierungsanforderungen ein:
- die Klarheit des Status des vorgestellten Geräts (Bewertung, Kennzeichnung, Zertifizierung);
- die ausdrückliche Benennung der für die Umweltklage verantwortlichen Person;
- das Fehlen einer impliziten Gleichwertigkeit zwischen Instrumenten, die unter verschiedene Rechtsordnungen fallen.
In diesem Kontext kann ein redaktioneller Vergleich selbst dann problematisch werden, wenn er ausgewogen und in gutem Glauben erfolgt, da er dazu neigt, Instrumente auf die gleiche Stufe zu stellen, die keine Anschuldigungen gleicher Art erzeugen.
Die Richtlinie konzentriert sich auf die Wirkung auf den Leser, unabhängig von der ursprünglichen Absicht.
Der Biodiversitäts-Leistungsindex (BPS): ein Bewertungsinstrument zur Unterstützung der Entscheidungsfindung
Der Biodiversity Performance Score (BPS) ist ein Instrument zur Bewertung der Biodiversitätsleistung, das auf wissenschaftlichen Indikatoren, dokumentierten Methoden und nachvollziehbaren Datensätzen basiert.
Das BPS erlaubt:
- um einen Anfangszustand oder eine Trajektorie zu messen,
- um Szenarien zu vergleichen,
- um technische oder strategische Entscheidungen zu objektivieren.
Das BPS ist ein Entscheidungsinstrument. Es ist weder eine Zertifizierung noch ein Label noch eine eigenständige Umweltaussage. Es führt allein nicht zu einer rechtskräftigen Entscheidung.
Diese Position ist bewusst gewählt und strukturell. Sie gewährleistet Klarheit hinsichtlich ihrer Rolle im Entscheidungsprozess und vermeidet jegliche Verwirrung über ihren Geltungsbereich.
BiodiverCity: ein Label, das auf Engagement basiert
BiodiverCity ist Teil eines Selbstdeklarationslabels, das das Engagement von Projekten für die Biodiversität fördern soll.
Dieser Mechanismus ist hilfreich, um Interessengruppen zu mobilisieren und freiwillige Initiativen zu strukturieren. Er operiert jedoch im Rahmen von Anerkennung und Kommunikation und nicht als Konformitätsbewertungssystem, das unabhängige und rechtsverbindliche Nachweise liefert.
Externe Gutachter, Anerkennung und Akkreditierung: eine häufige Verwirrung
Eine immer wiederkehrende Quelle der Verwirrung ist der Einsatz von externen Gutachtern in bestimmten Systemen.
Die Tatsache, dass ein anerkannter Akteur oder auch ein in anderen Bereichen akkreditierter Akteur zur Durchführung technischer Bewertungen interveniert, ändert nichts an der rechtlichen Natur des betreffenden Systems, wenn:
- die Steuerung des Referenzrahmens,
- die endgültige Entscheidung,
- Die Verantwortung für den Vorwurf verbleibt beim Inhaber des Labels oder Tools.
Die Akkreditierung ist strikt auf ihren festgelegten Geltungsbereich beschränkt. Sie ist nicht auf ein Gütesiegel oder ein Bewertungsinstrument Dritter übertragbar. Daher können Bewertungen von anerkannten Akteuren durchgeführt werden, ohne dass diese an einem unabhängigen Zertifizierungsverfahren gemäß ISO/IEC 17065 teilnehmen müssen.
Warum sind BPS und BiodiverCity nicht vergleichbar?
Der Vergleich des Biodiversity Performance Score (BPS) mit dem BiodiverCity-Label ist vergleichbar mit folgendem Vergleich:
- ein Bewertungsinstrument, das dazu dient, eine Entscheidung zu strukturieren und zu untermauern
- und ein deklaratives Werkzeug, das dazu dient, eine Verpflichtung hervorzuheben.
Es handelt sich hierbei nicht um einen graduellen Unterschied, sondern um einen Unterschied im rechtlichen und funktionalen Register.
Eine Punktzahl misst. Ein Label verleiht Wert.
Die Geräte können sich innerhalb eines Projekts ergänzen. Sie können jedoch nicht als gleichwertige Beweismittel verglichen werden, ohne Verwirrung über die Art der gemachten Umweltaussagen zu stiften.
Abschluss
Die Frage „Können wir den Biodiversity Performance Score (BPS) und das BiodiverCity-Label vergleichen?“ verlangt nach einer klaren Antwort.
Die beiden Systeme funktionieren nach unterschiedlichen Prinzipien und erfüllen verschiedene Funktionen innerhalb eines Projekts. Die Richtlinie (EU) 2024/825 schreibt nun die strikte Einhaltung dieser Unterscheidungen vor, um die Transparenz der Umweltinformationen und die Verantwortlichkeit der Beteiligten zu gewährleisten.
Der Vergleich ist daher nicht nur methodisch fragwürdig, sondern auch rechtlich unzulässig.
Häufig gestellte Fragen – Biodiversitäts-Leistungsbewertung (BPS) und BiodiverCity-Label
Sind der Biodiversity Performance Score (BPS) und das BiodiverCity-Label vergleichbar?
Nein. Der Biodiversity Performance Score (BPS) ist ein Bewertungs- und Entscheidungsinstrument. BiodiverCity ist ein Selbstdeklarationslabel, das auf Engagement basiert. Diese Systeme unterliegen unterschiedlichen rechtlichen und operativen Rahmenbedingungen und führen nicht zu vergleichbaren Umweltaussagen.
Ist BPS eine Biodiversitätszertifizierung?
Nein. Das BPS ist keine Zertifizierung. Es ist ein Instrument zur Bewertung der Biodiversitätsleistung auf Grundlage wissenschaftlicher Indikatoren und dokumentierter Methoden. Es stellt keine rechtsverbindliche Entscheidung dar und ist keine eigenständige Umweltaussage.
Ist BiodiverCity eine Zertifizierung?
Nein. BiodiverCity ist ein Selbstdeklarationslabel, das das Engagement von Projekten für die Biodiversität hervorheben soll. Es ist kein Teil eines akkreditierten, unabhängigen Zertifizierungssystems.
Worin besteht der Unterschied zwischen einem Biodiversitätswert und einem Label?
Ein Biodiversitätsindex misst und objektiviert die Leistung oder Entwicklung anhand von Indikatoren. Ein Label würdigt ein Engagement oder einen Ansatz. Sie haben weder dieselbe Funktion noch denselben rechtlichen Geltungsbereich.
Führt die Verwendung eines externen Gutachters dazu, dass ein Label einer Zertifizierung gleichwertig ist?
Nein. Die Beauftragung eines externen Gutachters, selbst wenn dieser in anderen Bereichen anerkannt oder akkreditiert ist, wandelt ein Label oder eine Punktzahl nicht in eine Zertifizierung um, wenn die endgültige Entscheidung und die Verantwortung für die Aussage nicht unabhängig sind.
Warum verbietet die Richtlinie (EU) 2024/825 jegliche stillschweigende Gleichwertigkeit?
Weil eine implizite Gleichsetzung von Geräten unterschiedlicher Art bei der Öffentlichkeit Verwirrung hinsichtlich des Umfangs der Umweltversprechen stiftet, verlangt die Richtlinie strikte Klarheit über den tatsächlichen Status der verwendeten Instrumente.
Kann das BPS in einem Entscheidungsprozess verwendet werden?
Ja. Das BPS ist als Entscheidungsinstrument konzipiert, das die Messung, den Vergleich und die Objektivierung von Optionen ermöglicht. Es ist nicht dazu gedacht, Entscheidungen im Namen der Interessengruppen zu treffen.
Kann ein Biodiversitätswert als Zertifizierung dienen?
Ein Bewertungsinstrument kann gegebenenfalls zu einem zertifizierbaren Rahmenwerk weiterentwickelt werden, wenn es bestimmte Anforderungen erfüllt. Aktuell wird das BPS jedoch ausschließlich als das präsentiert, was es ist: ein Bewertungsinstrument ohne jegliche Zertifizierungsmöglichkeit.
Können BPS und ein Label im selben Projekt verwendet werden?
Ja. Werkzeuge können sich in einem Projekt ergänzen, vorausgesetzt, ihre Rolle, ihr Anwendungsbereich und ihr rechtlicher Status sind klar voneinander abgegrenzt.
