Nachrichten zu Biodiversität und nachhaltigem Immobilienmarkt

GBS und BPS verfolgen ein gemeinsames Ziel: die Messung des Zusammenhangs zwischen Wirtschaftstätigkeit und Biodiversität. Doch sie verwenden unterschiedliche Methoden. Das von CDC Biodiversité geleitete GBS ist ein globales Berichtsinstrument, das auf Belastungsmodellen basiert. Das von IRICE entwickelte BPS hingegen ist ein praxisorientiertes, wissenschaftliches Instrument, das auf empirischen Daten und realen ökologischen Leistungsdaten beruht. Zwei sich ergänzende Ansätze, die sich jedoch grundlegend unterscheiden.
Zwei Instrumente zur Bewertung der Biodiversität, aber zwei wissenschaftliche und institutionelle Logiken
Unternehmen, Investoren und Kommunen versuchen zunehmend, ihre Auswirkungen auf die Biodiversität zu messen. Zwei Ansätze existieren nebeneinander: der Global Biodiversity Score (GBS) von CDC Biodiversité und der Biodiversity Performance Score (BPS) von IRICE. Beide spiegeln das Bestreben wider, die Biodiversität in wirtschaftliche Entscheidungen einzubeziehen. Ihr Status, ihre Methodik und ihr Anwendungsbereich unterscheiden sich jedoch grundlegend. Der GBS ist ein makroökonomisches Berichtsinstrument, das auf Belastungsmodellen basiert. Der BPS hingegen ist ein wissenschaftliches Messinstrument, das auf ökologischen Daten vor Ort und standardisierter Leistungsüberwachung beruht.
1. Der globale Biodiversitätsindex: ein Instrument zur Berichterstattung über globale Auswirkungen
Das von CDC Biodiversité initiierte und vom Ministerium für den ökologischen Wandel unterstützte GBS zielt darauf ab, den Biodiversitäts-Fußabdruck von Organisationen zu quantifizieren. Seine Logik basiert auf dem Scope-Prinzip:
- die direkten und indirekten Auswirkungen berechnen (Wertschöpfungskette, Lieferketten, Energie, Landnutzung),
- Sie werden in Form eines synthetischen Indikators, der MSA.km² (mittlere Artenhäufigkeit), ausgedrückt
- Die Ergebnisse werden zusammengefasst, um einen Netto-Biodiversitätsfußabdruck zu schätzen.
Der GBS orientiert sich an den Rahmenwerken SBTN, TNFD und CSRD sowie der europäischen Taxonomie. Seine Anwendung ist primär strategisch: Er unterstützt Unternehmen dabei, ihre Abhängigkeiten zu verstehen und ihre Risiken zu priorisieren. Allerdings stützt er sich auf branchenspezifische Daten und globale Modelle, selten auf tatsächliche Umweltverträglichkeitsprüfungen. Er bietet Orientierung, aber keine Zertifizierung.
2. Der Biodiversitäts-Leistungsindex: ein wissenschaftliches Instrument zur Feldmessung
Der von IRICE entwickelte Biodiversitäts-Leistungsindex (BPS) trägt einem ergänzenden Bedürfnis Rechnung: der Messung der tatsächlichen ökologischen Leistungsfähigkeit eines Standorts, Projekts oder einer Anlage. Während der GBS Belastungen auf Makroebene aggregiert, betrachtet der BPS die effektive biologische Funktionalität auf Mikroebene, also die des Bodens.
Das BPS basiert auf einem Evaluierungsprotokoll, das um fünf Themenbereiche strukturiert ist:
- Bodenschutz
- Entwicklung des Pflanzenerbes
- Unterstützung für die heimische Tierwelt
- Reduzierung der Auswirkungen des Projekts,
- Ökologische Bewirtschaftung des Geländes.
Das Ergebnis ist ein quantifizierter Wert (von 0 bis 100), der die verifizierte Umweltleistung des Standorts ausdrückt. Das BPS ist zertifizierbar: Es fließt direkt in die Effinature-Standards ein und kann zukünftig einer Akkreditierung unterzogen werden.
3. Zwei Leseebenen: Makro vs. Mikro
| Dimension | Globaler Biodiversitätsindex (GBS) | Biodiversitäts-Leistungsindex (BPS) |
| Unterstützt von | CDC Biodiversität | IRICE |
| Werkzeugtyp | Makro-Berichtsindikator | Wissenschaftlicher Leistungsindikator |
| Leiter | Organisation, Portfolio, Lieferkette | Standort, Betrieb, Immobilienvermögen |
| Art der Daten | Modelliert, sektoral | Vor Ort gemessen und überprüft |
| Objektiv | CSR-Berichterstattung und -Strategie | Ökologische Bewertung und Management |
| Anwendungsbereich | SBTN, TNFD, CSRD | Effinature-Zertifizierung, ESG-Finanzierung |
| Durchsetzbarkeit | Nein, es handelt sich um ein Selbstbewertungsinstrument | Ja, ein zertifiziertes Tool |
| Berechnungsmethode | MSA.km² (durchschnittliche Artenhäufigkeit) | Ökologische Leistungsbewertung (0–100) |
| Zweck | die Auswirkungen verstehen | Leistung demonstrieren |
Der GBS liefert Informationen zum ökologischen Fußabdruck. Der BPS demonstriert die Leistung. Ersterer dient als Grundlage für CSR-Richtlinien; letzterer zur Zertifizierung des tatsächlichen ökologischen Werts eines Standorts.
4. Strategische Komplementarität
Die beiden Instrumente stehen nicht im Widerspruch zueinander. Das GBS strukturiert die Umweltbilanzierung im großen Maßstab; das BPS setzt diesen Anspruch auf die operative Ebene des Feldes und des Projekts um.
- GBS: ein globales Reporting- und Risikoanalysetool.
- BPS: ein Instrument zur detaillierten Bewertung und zum Leistungsmanagement.
Ein Investor kann daher mithilfe des GBS den Biodiversitäts-Fußabdruck seines gesamten Portfolios bewerten und anschließend mithilfe des BPS die leistungsstärksten Vermögenswerte aus ökologischer Sicht prüfen und bewerten. Dieser Ansatz ermöglicht es, die Unternehmensstrategie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vor Ort zu verknüpfen.
5. Wissenschaftlicher und institutioneller Status
Das BPS wurde im Rahmen eines angewandten Forschungsprojekts unter Beteiligung akkreditierter Ökologen, Ingenieure und Auditoren entwickelt. Es ist mit den Standards von Effinature und HVE kompatibel und orientiert sich an den 21 Prinzipien des Weltwirtschaftsforums. Derzeit ist es das einzige ökologische Messinstrument mit unabhängiger Zertifizierung.
Das GBS ist seinerseits eine Initiative zur Unternehmensberichterstattung, die nicht von einer akkreditierten Stelle überwacht wird. Sein Nutzen liegt in seiner strategischen und zukunftsorientierten Ausrichtung, er ist jedoch nicht normativ.
6. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass…
GBS und BPS verfolgen dasselbe Ziel: Ökonomie und Ökologie durch Messung in Einklang zu bringen. Ihre Logik unterscheidet sich jedoch.
- Das GBS modelliert die Gesamtauswirkungen von Aktivitäten.
- Das BPS misst die tatsächlichen ökologischen Ergebnisse vor Ort.
Ihre Komplementarität eröffnet einen neuen Weg: GBS für die Unternehmensstrategie, BPS für den operativen Nachweis.
Es ist diese Verbindung zwischen ökologischer Buchhaltung und Zertifizierung von Lebewesen, die die Biodiversität zu einem echten Indikator für nachhaltige Leistung macht.
