Nachrichten zu Biodiversität und nachhaltigem Immobilienmarkt

IRICE veröffentlicht kurze Beiträge, um die Integration von Biodiversität in Immobilienprojekte zu unterstützen: Herausforderungen, Instrumente und konkrete Lösungsansätze. Evidenzbasierte Rückmeldungen aus der Praxis tragen dazu bei, Biodiversität zu einem Vorteil und nicht zu einer Einschränkung zu machen.

Bebaute und pflanzliche Formen: eine neue ökologische Einheit für die Stadtplanung: Lehren aus MORPHOBIOT

Dienstag, 25. November 2025

Das BAUM-Notebook Nr. 6 offenbart einen wichtigen Beitrag: die Betrachtung der Kombination aus bebauter Fläche und Vegetation als strukturierende ökologische Einheit. Ein entscheidender Schritt nach vorn für evidenzbasierte Ansätze.

Einführung

Die Arbeit des BAUM-Programms markierte einen Wendepunkt in der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Stadtmorphologie und Biodiversität. Nach der methodischen Synthese in Notizbuch Nr. 7 verdient ein weiteres Dokument besondere Beachtung: das BAUM-Notizbuch Nr. 6, das dem MORPHOBIOT-Projekt gewidmet ist. Sein Beitrag ist bedeutend. Es schlägt eine neue Betrachtungsweise der Stadt vor: die Einheit „Bebauung-Vegetation“. Diese kombinierte Betrachtung von Mineralischem und Lebendigem eröffnet eine Perspektive, die uns klassische Kennzahlen – Vegetationsflächen, Dichten, Verhältnisse – bisher verschlossen blieben.

1. MORPHOBIOT: Eine Untersuchung der Beziehung zwischen bebauter Anlage und Natur

Das Projekt untersucht fünf Stadtformen in Toulouse (Vorort aus dem 19. Jahrhundert, Einfamilienhäuser, große Wohnsiedlung, Arbeitergartenstadt, Ökoviertel), um „ihre Fähigkeit zu verstehen, Biodiversität in einem urbanen Umfeld aufzunehmen und zu erhalten“. Es handelt sich um eine Arbeit von seltener Präzision, in der Architektur, Vegetation, Nutzung und Vogelwelt gleichzeitig analysiert werden.

2. Eine methodische Innovation: „gebaute-vegetative Formen“

MORPHOBIOT führte zur Formalisierung von 18 Typologien von „bebauten Anlagenformen“. Diese sind das Ergebnis eines komplexen transdisziplinären Prozesses:

  • Gebäudevermessungen (Materialien, Grundrisse, architektonische Merkmale),
  • detaillierte Erhebungen der Pflanzenschichten (krautige, strauchartige, baumartige, buschige, lianenartige Pflanzen),
  • Analyse von Soziotopen (Management, Nutzung, Zugänglichkeit),
  • Vogelbestandsaufnahmen.

Auf den Seiten 19–21 beschreibt das Notizbuch diese Arbeit als „eine Betrachtung von Lebewesen, die so fein ist wie die gebaute Umwelt üblicherweise in städtebaulichen Planungsdokumenten“.

Dieser Ansatz schafft einen originellen Interpretationsrahmen: Die Begegnung zwischen bebauter Form und Pflanzenform ist eine autonome ökologische Einheit.

3. Warum diese Einheit alles verändert

Herkömmliche Kennzahlen (Vegetationsanteil, Abdichtung, Gebäudehöhe, Dichte) erfassen nur einen Teil des Phänomens. Die Einheit „Gebäude-Vegetation“ zeigt Folgendes:

  • Zwei Wohngebiete mit vergleichbarer Vegetation können zwei völlig unterschiedliche Ökosysteme beherbergen;
  • Die Geschichte von Gebäuden und die der Vegetation entwickeln sich gemeinsam und bestimmen die gegenwärtige ökologische Dynamik;
  • Die räumliche Struktur ist genauso wichtig wie die Quantität.

Dieser Punkt bestätigt eine bereits in der Zusammenfassung von Notizbuch Nr. 7 gemachte Beobachtung: Quantitative Ansätze erklären nur einen Bruchteil des ökologischen Signals.

4. Ein seltener Beitrag: die Darstellung von Lebewesen und Gebäuden.

Eine der auffälligsten Passagen in Notizbuch Nr. 6 ist die Schwierigkeit, aber auch die Notwendigkeit, die Vegetation und ihre Funktionen so detailliert darzustellen, wie Gebäude üblicherweise in städtebaulichen Planungsdokumenten dargestellt werden.

Dies ist eine strukturelle Schwäche in der Planung:

  • Das Gebäude wird dokumentiert, vermessen und beschrieben;
  • Lebewesen werden angenähert, aggregiert, schematisiert.

MORPHOBIOT bietet eine Methode, um diese Asymmetrie zu überwinden.

5. Unter Berücksichtigung von Nutzung, Bewirtschaftung und Soziotop

Das Projekt zeigt deutlich, dass die städtische Biodiversität auch von Folgendem abhängt:

  • Managementsysteme,
  • hinsichtlich der Öffnung oder Schließung von Räumen,
  • menschliche Nutzung
  • Wartungspraktiken.

Biodiversität ist nicht nur ein Zustand, sondern eine lebendige Wechselwirkung zwischen Bewohnern, Verwaltern und der Umwelt.

Diese Dimension steht im Einklang mit den ökologischen Managementprinzipien von Effinature, die Folgendes explizit beinhalten:

  • Managementpraktiken
  • die zeitliche Entwicklung des Standorts,
  • die Auswirkungen der menschlichen Nutzung.

6. Welchen Beitrag leistet MORPHOBIOT zum Zertifizierungsprozess?

Die Erkenntnisse aus Notizbuch Nr. 6 bestätigen drei Strukturierungsanforderungen:

1. Ein Bezugsrahmen muss die Kohärenz der bebauten Vegetation verständlich machen.

Das ist die Rolle:

  • des harmonisierten CBS,
  • des IVS,
  • aus der ökologischen Pflanzenpalette,
  • Funktionsschichten.

2. Ein Referenzrahmen muss Nutzung und Management integrieren.

Effinature formalisiert diese Dimension präzise (ökologisches Management, Nachhaltigkeit, Integration der Nutzungen in ökologische Kreisläufe).

3. Ein Referenzrahmen muss unabhängig und evidenzbasiert sein.

Die in BAUM beschriebenen methodischen Schwierigkeiten (Verzerrung, Störfaktoren, Standortauswahl) sind genau die Gründe, warum eine unabhängige Evaluation unerlässlich ist.

Abschluss

Das BAUM-Notizbuch Nr. 6 zeigt, dass urbane Biodiversität nicht mit traditionellen Methoden verstanden oder bewertet werden kann. Mit der Einführung einer neuen ökologischen Einheit – bebaute Vegetationsformen – eröffnet MORPHOBIOT eine völlig neue Perspektive: die Stadt im Zusammenspiel von Mineralisierung und Lebendigkeit zu analysieren. Evidenzbasierte Rahmenwerke stehen nun vor der Aufgabe, diesen konzeptionellen Fortschritt in operative Anforderungen zu überführen. Dies ist eine der Aufgaben von IRICE: die Konsistenz, Reproduzierbarkeit und Zuverlässigkeit ökologischer Ansätze in Immobilienprojekten zu gewährleisten.

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