Nachrichten zu Biodiversität und nachhaltigem Immobilienmarkt

IRICE veröffentlicht kurze Beiträge, um die Integration von Biodiversität in Immobilienprojekte zu unterstützen: Herausforderungen, Instrumente und konkrete Lösungsansätze. Evidenzbasierte Rückmeldungen aus der Praxis tragen dazu bei, Biodiversität zu einem Vorteil und nicht zu einer Einschränkung zu machen.
 Wenn das Fehlen von Natur zu einem Problem der öffentlichen Gesundheit wird

Wenn das Fehlen von Natur zu einem Problem der öffentlichen Gesundheit wird

Mittwoch, 23. April 2025

Der Begriff „Naturdefizitstörung“ wurde von dem Journalisten Richard Louv in seinem Buch „Last Child in the Woods“ (2005) eingeführt und bezieht sich auf die physischen, psychischen und kognitiven Störungen, die mit der zunehmenden Entfremdung zwischen Menschen – insbesondere Kindern – und der natürlichen Umwelt zusammenhängen.

Definition: ein Beziehungsdefizit, keine medizinische Pathologie

Der Begriff „Naturdefizitstörung“ bezeichnet keine Krankheit im medizinischen Sinne. Er beschreibt einen Zustand verminderter Interaktion mit Lebewesen, mit nachgewiesenen Auswirkungen auf Wohlbefinden, psychische Gesundheit, Aufmerksamkeitsspanne und psychomotorische Entwicklung.

In städtischen Gebieten verstärken der Mangel an Grünflächen, der abnehmende Kontakt zur Natur sowie veränderte Lebensgewohnheiten und digitale Gewohnheiten diese Entfremdung. Bei Kindern bringen mehrere Studien dieses Defizit mit Konzentrationsschwierigkeiten, vermehrtem Angstverhalten und Übergewicht sowie einer Verringerung sozialer Kompetenzen in Verbindung.

Eine Frage der Umweltgesundheit… und der sozialen Gerechtigkeit

Die Forschung zu diesem Thema kommt zu einem übereinstimmenden Ergebnis: Der Zugang zur Natur verbessert die körperliche und geistige Gesundheit, regt die Fantasie an, fördert die freie Bewegung und stärkt die Beziehungen zu anderen. Dieser Zugang ist jedoch in den verschiedenen Regionen nicht gleichmäßig verteilt.

In den am stärksten besiedelten Vierteln sind Biodiversität, zusammenhängende Grünflächen und ökologische Korridore oft nur begrenzt vorhanden. Diese Beobachtung verknüpft Umweltfragen mit Themen wie Chancengleichheit, öffentlicher Gesundheit und Lebensqualität.

Zertifizierung als Hebel für Maßnahmen: hin zu einer vorschreibbaren Biodiversität

Wir bei IRICE sind überzeugt, dass urbane Biodiversität keine ästhetische Frage, sondern eine operative Notwendigkeit ist. Die Wiedereinführung von Natur in städtische Projekte erfordert gemeinsame, nachvollziehbare und rechtsverbindliche Instrumente. Genau dies ist das Ziel der Effinature-Zertifizierung und des Biodiversity Performance Score (BPS): messbare Rahmenbedingungen für diese Verpflichtungen zu schaffen, ihre Wirksamkeit zu gewährleisten und die ökologische Wiederherstellung in einen ergebnisorientierten Ansatz einzubetten.

Fazit: Wiederherstellung der lebendigen Verbindung

Die Verringerung des „Naturdefizitsyndroms“ erfordert einen systemischen Ansatz. Dieser bezieht Projektträger, lokale Behörden, Planer und Zertifizierungsstellen mit ein. Nur durch solide, auf die Nutzung und die tatsächlichen Bedürfnisse der Anwohner abgestimmte Standards wird die Renaturierung urbaner Gebiete zu einem glaubwürdigen Instrument für die öffentliche Gesundheit.

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