Arten von
Biodiversitätsansätzen
Kennzeichnungen, Bewertungen, Zertifizierungen: Die Unterschiede verstehen, um fundierte Entscheidungen zu treffen
Warum diese Klassifizierung?
Die Vielzahl an „Biodiversitäts“-Labels und -Initiativen sorgt zunehmend für Verwirrung bei Entscheidungsträgern. Angesichts ähnlich klingender Begriffe wie Label, Zertifizierung und Bewertung fällt es schwer zu unterscheiden, was eine freiwillige Verpflichtung, eine strukturierte Analyse oder ein rechtsverbindlicher Nachweis ist.
Diese Unterscheidung ist keine Frage der Semantik. Der französische und europäische Rechtsrahmen (Richtlinie 2024/825, CSRD, SFDR, DNSH) legt klare Rechtskategorien fest, die den Wert und die Akzeptanz der jeweiligen Vorgehensweise bestimmen.
IRICE bietet eine Klassifizierung auf der Grundlage von Zertifizierungsgesetzen und -praktiken an, um Ihnen bei der Bewertung Ihrer Partner und Tools zu helfen.
Die drei Herangehensebenen
Freiwillige und selbstberichtete Ansätze
Etiketten, Chartas, Verpflichtungen
Definition
Ansätze, die auf Engagement und Selbsteinschätzung ohne unabhängige externe Überprüfung basieren.
Merkmale
- • Vom Inhaber des Labels oder der Charta festgelegte Kriterien
- • Keine unabhängige Überprüfung oder nur eingeschränkte Selbstüberprüfung
- • Keine Akkreditierung durch eine staatliche Stelle
- • Rollenkombination: Schöpfer = Evaluator = Kommunikator
Beispiele
- • Interne CSR-Verpflichtungen
- • Logos zum Thema „Biodiversität“ wurden ohne externe Bewertung verwendet
- • Partner-Charter
Wert
- • Interne Mobilisierung
- • Bewusstsein
- • Flexibilität im Design
Grenzen
- • Im rechtlichen Kontext nicht durchsetzbar
- • Keine Vergleichbarkeit der Initiativen
- • Anfällig für Greenwashing-Vorwürfe
- • Nicht verwendbar für die Einhaltung von CSRD/SFDR
Cofrac-Akkreditierung
NEIN
Durchsetzbarkeit
NEIN
CSRD/SFDR-kompatibel
NEIN
Nicht akkreditierte externe Evaluierungen
Bewertungs- und Benotungsschemata
Definition
Ansätze mit externer Bewertung durch Dritte, jedoch ohne Akkreditierung durch eine nationale Behörde.
Merkmale
- • Externer Gutachter veröffentlicht eine Methodik
- • Keine Akkreditierung durch eine staatliche Stelle
- • Risiko einer Rollenverwechslung (der Gutachter kann hierzu auch beraten)
- • Nicht konform mit ISO 17065
- • Eine Methodik, die sich ohne Steuerung weiterentwickeln kann
Beispiele
- • Biodiversitätslabels, die von einem nicht akkreditierten Dritten innerhalb dieses Gebiets bewertet wurden
- • Instrumente zur Umweltbewertung ohne Akkreditierung
- • Nachhaltigkeitsbewertungen ohne Zertifizierung
Wert
- • Strukturierte Analyse
- • Quantifizierte Ergebnisse
- • Relativer Vergleich
- • Öffentliche Dokumentation der Methodik
Grenzen
- • Im regulatorischen oder rechtlichen Kontext nicht durchsetzbar
- • Die Unabhängigkeit des Gutachters wird durch staatliche Aufsicht nicht gewährleistet
- • Methodik unterliegt keiner öffentlichen Verwaltung
- • Erstellt keine Zertifizierung gemäß ISO 17065
- • Variable Akzeptanz im CSRD/SFDR-Kontext
Cofrac-Akkreditierung
NEIN
Durchsetzbarkeit
NEIN
CSRD/SFDR-kompatibel
TEILWEISE
Zertifizierung, die von einer unabhängigen Stelle akkreditiert wurde
Das IRICE-Modell
Definition
Zertifizierung durch eine von einer nationalen Behörde akkreditierte Organisation gemäß ISO 17065 und öffentlichen Normen.
Merkmale
- • Von der nationalen Behörde akkreditierte Organisation (Cofrac in Frankreich)
- • ISO 17065-Konformität (unabhängige Drittpartei)
- • Funktionstrennung: Bewertung ≠ Gestaltung ≠ Marketing
- • Öffentliche und dauerhafte Standards
- • Ergebnisse veröffentlicht
- • Beschwerde- und Rechtsbehelfsmechanismus
- • Staatliche Aufsicht
Beispiele
- • Effinature (IRICE)
- • BREEAM-Zertifizierungen (Leistungszertifizierung)
- • Weitere anerkannte Zertifizierungen
Wert
- • Volle Durchsetzbarkeit
- • Vergleichbarkeit zwischen Projekten
- • Nachweis im regulatorischen Sinne
- • Langlebigkeit und Stabilität
- • Schutz vor Greenwashing-Vorwürfen
- • Volle Akzeptanz im Kontext von CSRD/SFDR/DNSH
- • Internationale Anerkennung
Grenzen
- • Relative Strenge der Kriterien
- • Kosten für Audit und Zertifizierung
- • Frist für die Zertifizierung
- • Einhaltung verbindlicher Standards
Cofrac-Akkreditierung
JA
Durchsetzbarkeit
JA
CSRD/SFDR-kompatibel
JA
Das entscheidende Kriterium: die Trennung der Funktionen
Die Unterscheidung zwischen diesen drei Ebenen beruht auf einem einzigen fundamentalen Prinzip: der Trennung der Funktionen. Diese Trennung ist entscheidend für Vertrauenswürdigkeit, Vergleichbarkeit und Durchsetzbarkeit.
Stufe 1: Keine Trennung
Der Entwickler des Ansatzes definiert die Kriterien, prüft die Einhaltung selbst und kommuniziert die Ergebnisse. Interessenkonflikte sind nicht ausgeschlossen. Beispielsweise könnte eine Marke ihr eigenes Engagement für die Biodiversität bekunden.
Stufe 2: Teilweise Trennung
Die Evaluierung wird von einem externen Dritten durchgeführt. Dieser Dritte ist jedoch nicht staatlich akkreditiert und kann gleichzeitig als Berater oder Dienstleister für dieselbe Organisation tätig sein. Die Methodik unterliegt keiner öffentlichen Kontrolle. Vertrauen basiert auf Reputation, nicht auf institutioneller Aufsicht.
Stufe 3: Vollständige Trennung
Die Zertifizierungsstelle ist von einer nationalen Behörde (Cofrac) akkreditiert. Es ist ihr gesetzlich untersagt, Normen zu entwickeln, Antragsteller zu beraten oder etwas anderes als die Zertifizierung selbst zu vermarkten. Ihre Entscheidungen werden staatlich überwacht. Die Normen sind öffentlich und dauerhaft. Nur auf dieser Ebene ein rechtsverbindlicher Nachweis
Praktische Auswirkungen
Öffentliches Beschaffungswesen
Nur anerkannte Zertifizierungen (Stufe 3) können ohne Streitrisiko in den technischen Spezifikationen oder Vergabekriterien eines öffentlichen Auftrags gefordert werden.
Nicht akkreditierte Gutachten setzen den Käufer rechtlichen Schritten aus.
ESG- und Regulierungsberichterstattung
CSRD, SFDR und DNSH erfordern überprüfbare und vergleichbare Daten. Nur akkreditierte Zertifizierungen liefern von den Behörden (AMF, ACPR) anerkannte Nachweise.
Freiwillige Kennzeichnungen und nicht akkreditierte Bewertungen reichen nicht aus.
Kommunikation & Greenwashing
Akkreditierte Zertifizierungen bieten Schutz vor Greenwashing-Vorwürfen, da der Prozess öffentlich, unabhängig und staatlich überwacht ist. Interne Zertifizierungen sind angreifbar.
Die Richtlinie 2024/825 bekräftigt diese Unterscheidung.
Was diese Seite misst
Diese Klassifizierung basiert auf dem regulatorischen Rahmen der jeweiligen Ansätze: ihren Durchsetzbarkeits-, Vergleichbarkeits- und Robustheitsbedingungen im regulatorischen Kontext. Eine gut konzipierte freiwillige Verpflichtung kann aufrichtig und umweltverträglich sein. Eine externe Evaluierung kann eine differenzierte und nützliche Analyse liefern.
Alle Stufen können zur Biodiversität beitragen. Stufe 3 – basierend auf Akkreditierung – liefert von Behörden und Investoren anerkannte Nachweise. Dies schafft Rückverfolgbarkeit und Verantwortlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Eine akkreditierte Zertifizierung wird von einer Organisation ausgestellt, deren Kompetenz von einer nationalen Akkreditierungsstelle (in Frankreich: Cofrac) bestätigt wurde. Ein freiwilliges Gütesiegel ist eine private Initiative ohne externe Überprüfung der Kompetenz der ausstellenden Organisation. Der rechtliche und beweisrechtliche Wert unterscheidet sich erheblich.
Der BPS (Biodiversity Performance Score) ist ein quantitatives Bewertungsinstrument zur Messung der Biodiversitätsleistung eines Betriebs. Er stellt keine eigenständige Zertifizierung dar. Er fließt in die (akkreditierte) Effinature-Zertifizierung ein und kann unabhängig als Berichtsinstrument verwendet werden.
Ja. Akkreditierte Zertifizierungen (Effinature, BREEAM) und freiwillige Labels decken unterschiedliche Bereiche ab und können kombiniert werden. Ein Projekt kann gleichzeitig nach Effinature (Biodiversität), BREEAM (Gesamt-ESG) und mit dem CBCA-Label (Bau-CO₂-Bilanz) zertifiziert werden.
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IRICE hilft Ihnen dabei, den Evidenzgrad für Ihren Biodiversitätsansatz zu ermitteln und Ihre Ansprüche zu sichern.